HERZOGLICHER AUTOMOBILCLUB VON BRAUNSCHWEIG

 

Der 31. Juli 1902 war der Gründungstag des „Braunschweiger Automobilclubs“, der sich heute „Herzoglicher Automobilclub von Braunschweig e.V.“ nennt. Mit dieser frühen Gründung (der 27. im Deutschen Reich überhaupt) gehört der Braunschweiger Automobilclub zu den sechs ältesten noch existierenden Clubs in Deutschland. Ins Leben gerufen nur 17 Jahre nachdem Gottlieb Daimler 1885 das erste Motor-Vehikel zum Laufen gebracht hatte. 

 

Damals, 1902, waren 28 mit Smoking gekleidete Herren im Hotel „St. Petersburg“ in Braunschweig versammelt, so berichten am 1. August 1902 die „Neuesten Nachrichten“. Ehrenpräsident des Clubs wurde Heinrich Büssing, der große Nutzfahrzeug-Konstrukteur und Gründer der weltbekannten Lastwagenfabrik Büssing, deren Firmenemblem – der Burglöwe Braunschweigs – noch heute den Kühler der MAN-Lastwagen ziert. 

Büssing LKW von 1913

Der Automobil-Club von Braunschweig hatte dann über viele Jahre hinweg eine recht herausragende Position im gesellschaftlichen Leben dieser Stadt; denn Automobile waren noch eine Exklusivität. Das  Clubleben war reich an Ausfahrten, an Ballon-Verfolgungsjagden und gemeinsamen Reisen, „Zielfahrten“ genannt. Zum Beispiel zum Großen Preis von Deutschland am Nürburgring, zu den Bobmeisterschaften nach Hahnenklee oder zur Kieler Woche. Es  gab regelmäßige Clubabenden mit Vorträgen von Prominenten (wie zum Beispiel „Seeteufel“ Graf Luckner), und es gab glanzvolle Bällen im „Deutschen Haus“, dem Clublokal. Nur eine kleine Zahl von Clubmitgliedern beteiligte sich  an Rennen. Vor dem Ersten Weltkrieg waren das zum Beispiel Ernst Büssing, der Sohn von Heinrich Büssing, und Johannes Weber. In den 1920er-Jahren dann vor allem Werner Zahn, der auf Bugatti zahlreiche Bergrennen gewann , nachdem er zuvor auf Mabeco auch Motorradrennen bestritten hatte. Christian Zahn, Direktor des Schuberth-Werks, war auch als Weltkriegsflieger bekannt, aber berühmter noch wurde er als Bobfahrer. 1931 wurde er in St. Moritz Weltmeister im Viererbob, war Olympiateilnehmer 1932 und wurde viermal Deutscher Bobmeister wurde.  


Wilhelm Lindemann (immer mit Hut) und rechts ein Clubmitglied zwischen den Husaren

 

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 ging der Automobilclub von Braunschweig gezwungenermaßen im nationalsozialistischen DDAC-Einheitsclub auf. Die Wiedergründung des Clubs gelang am 7. Februar 1949. In den Räumen des Gästehauses am Zuckerbergweg waren 28 Mitglieder beteiligt. Zu den Mitbegründern gehörten Franz Hess, Max-Renzo Pallenberg, die Unternehmer Lehmann, Luther, Egger-Büssing, Rössing-Schmalbach, der Architekt Hannes Westermann und auch Werner Zahn. Zum Präsidenten wurde der Fabrikant Dr. Friedrich Meinecke gewählt. Wie schon in den Gründerjahren schloss sich der Braunschweiger Club wieder dem übergeordneten  Automobilclub von Deutschland e.V. (AvD)  an.

 

Waren die Büssing-Zuverlässigkeitsfahrten von 1953, 1954 und 1955 noch „echter“ Wettbewerbssport, so wurde zur Feier des 85-jährigen Bestehens die etwas mildere, etwas zeitgemäßere Form gewählt: die Fahrt mit Oldtimern. Am 26. September 1987 lief die „Herzogliche Harzfahrt“ für klassische Automobile und Motorräder. Mit 129 Teilnehmern wurde die Rallye zu einem großen Erfolg für den Club. Den zahlreichen Zuschauer an der Strecke wurde bei strahlendem Herbstwetter der Blick auf „ein fahrendes Museum“ geboten. Auch das 100-jährige Bestehen wurde am 14. Oktober 2002  mit einer Jubiläumsrallye gefeiert.

 


Rallye des "Automobilclub von Braunschweig" 1956

 

Unter der Präsidentschaft von Klaus Webendörfer erhielt der Club 1991 wieder seinen alten Namen zurück, nämlich: „Herzoglicher Automobilclub von Braunschweig“. So hatte sich der Club ab 1913 genannt, als der Welfenherzog Ernst-August , gerade verheiratet mit der Kaisertochter Victoria-Luise, als neuer Landesherr in Braunschweig eingezogen war. Prinz Ernst-August von Hannover wurde dann auch Clubmitglied; sein gleichnamiger Enkel ist es heute noch. Das Clubleben wurde damals wie heute belebt durch gemeinsame Ausfahrten durch das Braunschweiger Land, Städtereisen, Besuch von Kunstausstellungen und anderen gesellschaftlichen Anlässen. Legendär waren auch die Bälle des AvB, zu denen im Jahr 1960 eine Kapelle des RIAS Berlin engagiert wurde.

Gegründet 1902

eMail:

tm.schuette@t-online.de

KONTAKT

 

 

Herzoglicher Automobilclub von Braunschweig e.V.

 

PRÄSIDENT

Thilo Schütte

Eickhorster Straße 2d

38179 Schwülper